Digitale Transformation von Recyclingdeponien: So kann es gelingen

Würde man Deutschland mit einem Unternehmen beschreiben, dann vielleicht Nokia, Kodak oder Quelle. Unternehmen, die einmal erfolgreich waren und lange Zeit den Markt dominierten. Heute sind sie nur noch halb so groß oder aufgelöst. Beide wurden Opfer eines Managementfehlers – dem Innovationsdilemma.

Die meisten Ressourcen eines Unternehmens werden in das bestehende Geschäft gesteckt, was das Kerngeschäft stören könnte, wird eliminiert, der aktuelle Ertrag optimiert. Es gibt weder Zeit noch Energie für Innovationen, die für zukünftige Einnahmen sorgen können, wenn das Kerngeschäft langsam stirbt. Aber, so die unbequeme Frage in fast allen Unternehmen, sollte man wirklich mutwillig das aktuelle Geschäft gefährden, indem man ihm Ressourcen entzieht, um sie in unsichere, fehleranfällige und margenlose Neuentwicklungen zu stecken? In Innovationsprojekte mit völlig offenem Ausgang?

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Eigentlich müsste die Antwort klar sein. Ja! In der Praxis entscheiden wir uns stattdessen für den Ausbau der Teams, die den besten Umsatz machen, oder für die kontinuierliche Verbesserung bestehender Produkte durch minimale Weiterentwicklungen. Selbst wenn das Kerngeschäft bereits ins Stocken gerät, suchen wir reflexartig nach Möglichkeiten, es mit noch mehr Geld und Zeit zu stützen. Warum tun wir das? Weil wir auf jene so wichtige Person verzichten, die vehement eine andere Meinung vertritt als die Mehrheit im Unternehmen. Beim Thema Transformation kommen solche professionellen Störerinnen und Störer oft als Digitalministerin oder Chief Digital Officer, als Innovationsmanagerin oder Change Director ins Unternehmen. Dennoch reicht es nicht, eine solche Person im Unternehmen zu haben. Diese Person kann nur dann erfolgreich sein, wenn sie mit genug Macht und Ressourcen ausgestattet wird.

Im Unternehmen Deutschland hat Volker Wissing das Ministerium für Verkehr und Infrastruktur in "Bundesministerium für Digitales und Verkehr BMDV" umbenannt - was bedeutet, dass das Digitale zumindest im Namen noch vor dem Verkehr angekommen ist. Doch der Minister dürfte so oft mit den unterschiedlichen Rollen in Konflikt geraten, dass das notwendige Tempo des Wandels kaum zu erreichen ist. Sind baufällige Autobahnbrücken wichtiger oder Funklöcher? Stehen 12,5 Milliarden Euro für Fernstraßen im richtigen Verhältnis zu 1,2 Milliarden Euro für die digitale Infrastruktur, wenn wir durch digitale Plattformen wie Revitalyze den Verschleiß drastisch reduzieren können?

Die digitale Transformation innerhalb eines bestehenden Systems ist schmerzhaft und erfordert Opfer. Um den Prozess erfolgreich zu meistern braucht es engagierte Akteure, die Kompromisslosigkeit einfordern und zu permanenten Kämpfen mit dem Etablierten bereit sind. Es braucht Konflikt und nicht Konsens. Denn Transformation bedeutet auch, gegen die bisher gut funktionierenden Strukturen, die bisher erzielten Erfolge und ja, auch gegen den Umsatz zu arbeiten. Wer das Neue stärken will, muss sich zunächst von Bewährtem trennen. Es wird dich nicht überraschen, dass die Gewinner oft diejenigen sind, die mutig Geld und Zeit in die Ungewissheit der Zukunft investieren, statt in die Sicherheit der Gegenwart.

~David Plaseller~
CEO Revitalyze