Baustoffrecycling: der harte Weg zur Akzeptanz

Foto von Ringler und WKO-Tirol

Mineralische Abfälle stellen mengenmäßig einen der größten Abfallströme in Europa dar. Allein in Deutschland fallen jedes Jahr über 200 Mio. Tonnen an. Häufig werden Aushubmaterialien kilometerweit quer durchs Land transportiert. Das verursacht nicht nur enorme Kosten für die Unternehmen, sondern auch einen zunehmenden logistischen Aufwand. Entsprechend groß ist das Potenzial, Bauschutt und Bodenmaterial vor Ort wiederzuverwenden. Bislang mangelt es den Sekundärrohstoffen vielfach an Akzeptanz durch die Bauwirtschaft. Der Mangel seitens der Bauindustrie wird häufig durch die Interessen der Rohstofflobby bestärk. Unsere Nachbarländer Niederlande und die Schweiz, Vorreiter im Bereich Baustoffrecycling, würden die großen Mengen an Bauschutt gerne annehmen. Hier werden bereits Recycling-Materialien für öffentliche Projekte zwingend vorgeschrieben.

Basis einer nachhaltigen Bauwirtschaft
In puncto Rohstoffeffizienz sprechen die Fakten ebenfalls für sich. Der Einsatz von Recyclingbaustoffen schont einerseits die natürlichen Vorräte an Primärrohstoffen und spart zugleich Deponierraum ein, den Materialabfälle ansonsten benötigen würden. Von der Gewinnung bis zur Entsorgung trägt recyceltes Baumaterial so zum umweltpolitischen Ziel des sparsamen Umgangs mit Grund und Boden bei. Auch beim Thema Kreislaufwirtschaft sind Recyclingbaustoffe nicht wegzudenken. Reste aus dem Hoch- und Tiefbau wie beispielsweise Asphalt, Beton oder Ziegel lassen sich schon jetzt problemlos als Straßenbaumaterial oder Verfüllbaustoff einsetzen. Um einen ganzheitlichen Kreislaufgedanken in der Baubranchen durchsetzen zu können, müssen Sekundärmaterialien aber als gleichwertig angesehen werden. Das bedeutet, Rahmenbedingungen müssen sich insofern ändern, dass die Materialien zu einem Großteil im Hochbau eingesetzt werden müssen. Hierbei sind öffentliche Institutionen als größter Auftraggeber der Industrie gefordert, bereits bei Ausschreibungen für neue Projekte den Einsatz von Recycling-Materialien verbindlich zu fordern. Produktneutrale, funktionsbezogene Spezifikationen wären ein wichtiger Schritt, den Markt für Recyclingbaustoffe zu öffnen und eine Maßnahme mit Vorbildfunktion für die Privatwirtschaft. Aktuell besteht noch Handlungsbedarf bei den rechtlichen Rahmenbedingungen. Um Recycling und Ressourceneffizienz im Bereich Baustoffe flächendeckend auszubauen, sind einheitliche Regulierung und Harmonisierung der Verordnungen notwendig.

Nehmen wir als Beispiel die Zementproduktion. Sie ist ein CO2-Fresser und die Rohstoffe werden immer knapper. Der Abbau von Sand und Kies bleibt nicht ohne Folgen. Der Kiesabbau wird immer näher an Naturschutzgebiete wie Moore und Quellen herangeführt. Trotzdem landen Millionen von Tonnen Bauschutt auf der Deponie. Bauschutt als Rohstoffquelle ist immer noch verpönt, die Vorbehalte sind groß. Zu Unrecht sagen immer mehr Experten. Die Schweiz macht es vor: In Zürich wird seit 2002 Recyclingbeton für den Bau von öffentlichen Gebäuden verwendet. Auch die Niederlande sind Vorreiter. Ihr Kreislaufwirtschaftsgesetz zielt auf ein vollständig nachhaltiges Bauen bis 2050. Nachhaltigkeitsforscher fordern einen Kurswechsel in der Bauwirtschaft. Die Widerstände sind aber groß sind und die Bauwirtschaft ist träge. Welche ökonomischen Leitplanken sind notwendig, um endlich für die Zukunft zu bauen?

Wir sind der Meinung es gibt Alternativen. Als junges Start-up fordern wir Wirtschaft und Politik dazu auf, die rechtlichen Rahmenbedingungen anzupassen. Die qualitätsgesicherten Recyclingbaustoffe können mit den Primärbaustoffen mithalten und sind häufig sogar besser. Vorbehalte gegen Recyclingbaustoffe existieren dennoch vielfach, wenn es um Qualitätsfragen und Leistungsmerkmale geht. Neben den vielfältigen Einsatzmöglichkeiten im Straßen-, Tief- oder Landschaftsbau besitzen Recyclingbaustoffe einige Vorteile gegenüber vergleichbar eingesetzten Baustoffen aus Naturstein. Zunächst kann durch die geringere Dichte der Recyclingbaustoffe im Vergleich zu Naturprodukten eine bessere Transportauslastung gewährleistet werden. Die vollwertige Tauglichkeit der Rohstoffe wird durch eine Reihe von Qualitätsnachweisen und Zertifikaten bestätigt. Wird Material direkt beim Abriss aufbereitet und auf umliegenden Baustellen wieder verbaut, sparen sich die Unternehmen hohe Transportkosten und weniger CO2 wird verbraucht. Ein netter Nebeneffekt: durch die eingesparten Transportwege verringert sich der Straßenverschleiß und öffentliche Gelder können dort investiert werden, wo sie dringender benötigt werden. Für Projekte zum Klimaschutz beispielsweise.

~David Plaseller~
CEO Revitalyze