Wie funktioniert der Handel mit CO-2-Zertifikate?

Foto von Chris LeBoutillier von Pexels

Weltweit existieren unzählige Emissionshandelssysteme und damit je nach Region auch unterschiedliche CO2-Preise. Das mit Abstand größte Handelssystem ist das der Europäischen Union, welches 2003 in Brüssel beschlossen wurde und seit 2005 in Kraft ist. Neben den 27 Mitgliedstaaten der EU nehmen auch Liechtenstein, die Schweiz, Island und Norwegen am Emissionshandel teil.

Neben dem europäischen Modell haben beispielsweise auch die USA und Kanada sowie einzelne Bundesstaaten ihre individuellen Handelssysteme. Im Januar 2021 hat auch die deutsche Regierung ihr eigenes System für den Handel mit Emissionszertifikaten eingeführt und hat als Teil des Klimaschutzprogramms einen nationalen CO2-Preis festgelegt, der den europäischen Zertifikatehandel ergänzen soll. Seit Anfang des Jahres müssen deutsche Unternehmen, die fossile Brennstoffe wie Erdgas und Heizöl in den Verkehr bringen, für jede Tonne ausgestoßenes CO2 ein Zertifikat kaufen. Betroffen sind beispielsweise Raffinerien oder Öl-Importeure, aber auch die Autoindustrie. Letztlich verfolgen alle nationalen wie internationalen Handelssysteme ähnliche Ziele: Es soll sich finanziell lohnen, weniger Treibhausgase auszustoßen und stattdessen auf umweltfreundlichere Prozesse und Lösungen zu setzen. Auf Solar- und Windenergie beispielsweise. Das funktioniert aber nur, wenn der Ausstoß immer teurer wird. Das Problem dabei ist, Verbraucher:innen müssen zwar keine Zertifikate kaufen, jedoch geben viele Unternehmen die zusätzlichen Kosten für den Erwerb der Zertifikate auf an Kund:innen weiter.

Wodurch steigt der CO2-Preis?
Viele Zertifikate-Systeme sind marktbasiert und funktionieren nach dem sogenannten “Cap and Trade” System. Zu deutsch: Begrenzung und Handel. Zunächst werden CO2-Zertifikate kostenlos in begrenzter Anzahl von staatlicher Stelle ausgegeben oder zu einem festgelegten Preis verkauft, wie es aktuell bei den deutschen Emissionsrechten der Fall ist. Nach einer Einführungsphase soll dann der Markt bestimmen, wie viel Wirtschaft und Industrie für die Tonne CO2 hinblättern müssen. Denn die Papiere werden anschließend an Klima- und Strombörsen wie der European Climate Exchange (ECX) in London oder der European Energy Exchange (EEX) in Leipzig versteigert und gehandelt. Unternehmen können überschüssige Zertifikate dort verkaufen, falls sie weniger benötigen – und wer Nachschub braucht, muss ebenfalls über die Börse gehen.

Der Preis für CO2 ist also ähnlich eines Aktienkurses dem Spiel aus Angebot und Nachfrage ausgeliefert. Mit dem Unterschied, dass die Politik in das System eingreift: Sie verknappt das Angebot an Zertifikaten (Cap), indem sie die erlaubte Obergrenze für Treibhausgasemissionen Jahr für Jahr herabsetzt. Bis 2030 soll zum Beispiel die Maximalgrenze für europäische Emissionsrechte um 2,2% pro Jahr sinken. Konkret bedeutet das: Jedes Jahr werden rund 48 Mio. Zertifikate weniger ausgegeben als ein Jahr zuvor. Das Angebot soll sukzessive sinken und der Preis dadurch stetig steigen.

~David Plaseller~
CEO Revitalyze