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Von wegen Kreislaufwirtschaft: das dreckige Geschäft mit dem Handel von CO2-Zertifikaten

Beton, er wird überall gebraucht. Für den Bau von Straßen und Brücken, Wohnungen und Fabriken. Doch gleichzeitig ist er einer der größten Klimakiller. Allein bei seiner Herstellung entstehen jedes Jahr mehr als 50 Millionen Tonnen CO-2. Diese Emissionen müssen schnell gesenkt werden, wenn wir unsere Klimaziele erreichen wollen. Bislang hat die Betonindustrie aber viel zu wenig für den Klimaschutz getan. Die Emissionen haben in den letzten 10 Jahren stagniert. Das macht deutlich, dass es in der Branche so nicht weitergehen kann. Der CO-2-Ausstoß hätte dank des sogenannten Emissionshandels der EU längst sinken müssen. Dieser ist seit 2005 in Kraft und funktioniert folgendermaßen: Ein Unternehmen muss für jede ausgestoßene Tonne CO-2 Zertifikate von der Europäischen Union kaufen. Das kostet Geld und um Geld zu sparen, reduzieren Unternehmen ihre Emissionen - so die Theorie. In der Praxis hat die Europäische Union jedoch die überwiegende Mehrheit der CO-2-Zertifikate verschenkt. Es wurden zu viele Emissionszertifikate im System ausgegeben, das dazu führte, dass nun zu viele Zertifikate im Umlauf sind. Das wiederum führt dazu, dass die Preise keine Lenkungswirkung haben und entsprechend auch kein Druck hin zur Emissionsreduktion für die Industrie ausgeübt wird. Im Gegenteil! Statt Druck für mehr Klimaschutz erhält die Industrie viele wertvolle Gratis-Zertifikate. Die Zahlen der Union Im Handelszeitraum von 2013 bis 2020 wurden ganze 43% der Zertifikate kostenlos vergeben.Die übrigen 57 % wurden versteigert. Von den 100 größten Klimasündern in der Europäische Union haben 40 Unternehmen mehr Zertifikate erhalten, als sie eigentlich für ihre CO-2-Emissionen benötigen. Rund 820 Millionen Zertifikate zu viel

. Beim heutigen CO-2-Preis entspricht das einem Gewinn von rund 41 Milliarden Euro. Einer der größten Gewinner des Systems, ein deutscher Zementhersteller, hat seit 2008 gut 45 Millionen Zertifikate mehr erhalten, als er benötigt. Beim heutigen CO-2-Preis entspricht das einem Geschenk aus Brüssel im Wert von über 2 Milliarden Euro. Die CO-2-Emissionen der deutschen Zementindustrie sind seit der Einführung des Emissionshandels im Jahr 2005 nicht gesunken. Im Jahr 2020 liegen sie bei 20,1 Millionen Tonnen und damit genau so hoch wie vor 16 Jahren. Dabei ist die Technik für mehr Klimaschutz längst anwendbar, wie Recyclingpioniere immer wieder beweisen. In modernen Recyclinganlagen wird Beton mit deutlich weniger Emissionen hergestellt. Von allen CO-2-Emissionen weltweit entfallen allein bis zu 9 % auf die herkömmliche Herstellung von Beton. Wenn wir also mit Recyclingbeton einen Großteil an CO-2 einsparen, haben wir einen großen Schritt für die Umwelt getan. Aber recycelte Materialien haben es trotz des Emissionshandels - oder gerade deswegen schwer. Konkurrenten können klimaschädlichen Beton billiger anbieten, weil sie für ihre CO-2-Emissionen sogar belohnt werden. Es wird noch absurder Viele Unternehmen stellen ihren Kunden die kostenlosen Zertifikate in Rechnung, indem sie ihre Preise erhöhen. Wissenschaftler aus den Niederlanden haben dies für einzelne Unternehmen berechnet. Im Fall des oben genannten Unternehmens kommen sie auf einen Gewinn von 285 Millionen Euro zusätzlich. Ein Riesengeschäft für die deutsche Industrie mit Zusatzgewinnen von rund 10 Milliarden Euro, so die Berechnungen der niederländischen Wissenschaftler.
In der Vergangenheit hat die Industrie immer wieder für die Gratis-Zertifikate gekämpft. Bei jeder Reform des Emissionshandels gingen Arbeiter der Konzerne auf die Straße. Ohne gratis Zertifikate seien hunderttausende Arbeitsplätze in Gefahr, so die Drohung. Das Erstaunliche dabei ist, dass Regierungen ebenso wie die Union weiter CO2-Zertifikate verschenken wollen. Erst kürzlich kam von Brüssel der Vorschlag, die gratis Vergabe der Zertifikate sollen erst einmal bis 2025 andauert. Mit Revitalyze möchten wir unseren Beitrag dazu leisten, den enormen Ressourcenverbrauch der Baubranche zu reduzieren. Um die Materialeffizienz zu steigern und die Klimaauswirkungen zu verringern, bringen wir eine umfassend neue Plattform auf den Weg, die auf bisherigen Erfahrungen beruht. Durch eine vernetzte, intelligente Plattformlösung von Entsorger und Erzeuger von Abfällen liefern wir die Grundlage der Digital Circual Economy, um mit Daten zur Ressourceneffizienz zu gelangen.

~David Plaseller~
CEO Revitalyze